Wenn eine einfache Brille Leben verändert

Ein-Dollar-Brille-Erfinder Martin Aufmuth referierte bei den Lions Clubs Porta Westfalica und Minden

Eine Idee aus dem Keller eines Erlanger Reihenhauses hat inzwischen mehr als eine Million Menschen weltweit erreicht: die Ein-Dollar-Brille. Beim gemeinsamen Vortragsabend der Lions Clubs Porta Westfalica und Minden am 6. Oktober in Minden berichtete Martin Aufmuth, Erfinder und Gründer des Ein-Dollar-Brille e.V., von der Entstehungsgeschichte und der weltweiten Entwicklung seines Projekts.

Seit seiner Kindheit ist Aufmuth selbst auf eine Brille angewiesen. Bereits während seines Lehramtsstudiums für Mathematik und Physik beschäftigte er sich mit den Problemen des globalen Südens. Der entscheidende Impuls kam 2010 durch die Lektüre des Buches „Out of Poverty“ von Paul Polak. Dort stieß Aufmuth auf den Gedanken, dass eine bezahlbare Brille für Menschen, die von einem Dollar oder weniger am Tag leben, eine der wichtigsten Erfindungen für Entwicklungsländer sein könnte.

„Schade, dass es das nicht gibt“, dachte Aufmuth zunächst. Doch seine Frau ermutigte ihn schließlich, selbst aktiv zu werden. Im Keller begann er zu experimentieren und entwickelte eine einfache, robuste Brille aus Federstahldraht sowie eine dazugehörige Biegemaschine.

Aus einer Idee wird ein weltweites Projekt

Der entscheidende Durchbruch gelang - so Aufmuth - durch den Kontakt zu Augenärzten in Uganda. Dort wurde die erste Ein-Dollar-Brille hergestellt und vor Ort angepasst. Besonders eindrucksvoll schilderte Aufmuth den Lions und ihren Gästen die Momente, in denen Menschen zum ersten Mal durch eine Brille schauen und plötzlich ihre Umgebung scharf sehen können.

Dieser Moment ist bis heute ein zentraler Bestandteil seiner Arbeit: „Menschen können wieder arbeiten, lesen, lernen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. „Gerade für Kinder kann gutes Sehen entscheidend für den Bildungserfolg sein, für Erwachsene kann eine Brille die Voraussetzung dafür schaffen, dass sie arbeiten und den Lebensunterhalt für ihre Familien sichern können“, so schildert Martin Aufmuth seine Motivation für das weltweite Engagement.

Die Ein-Dollar-Brille besteht aus einem leichten und besonders robusten Federstahlrahmen und bruchsicheren Kunststoffgläsern. Produziert werden kann sie mit einer einfachen Biegemaschine, die keinen Strom benötigt. Die Materialkosten liegen bei rund einem US-Dollar. Verkauft wird die Brille vor Ort für etwa zwei bis drei ortsübliche Tageslöhne. Dadurch entsteht ein nachhaltiges Modell, bei dem die Menschen vor Ort nicht nur versorgt werden, sondern auch Arbeitsplätze entstehen.

Mehr als eine Million Menschen erreicht

Aus den ersten Experimenten im Keller ist inzwischen eine internationale Organisation geworden. 2012 gründete Aufmuth den Ein-Dollar-Brille e.V. Heute arbeitet die Organisation in zahlreichen Ländern in Afrika, Asien und Südamerika mit Partnern vor Ort zusammen. Seit der Gründung wurden bereits mehr als eine Million Menschen mit einer Ein-Dollar-Brille versorgt. „Eine Million Brillen – das sind eine Million Menschen, die eine so deutliche und nachhaltige Verbesserung ihrer Lebenssituation erfahren haben, wie wir sie uns kaum vorstellen können“, sagt Martin Aufmuth.

Aufmuth machte auch deutlich, dass es dabei nicht allein um die Produktion möglichst günstiger Brillen geht. Ziel sei vielmehr der Aufbau einer dauerhaften augenoptischen Grundversorgung. Dazu gehören Sehtests, individuell angepasste Brillen, deren Reparatur und Ersatz sowie die Ausbildung einheimischer Fachkräfte.

Die Herausforderung liegt auf der „letzten Meile“

Eine der größten finanziellen Herausforderungen ist dabei nicht die Herstellung der Brille selbst. Die Materialkosten sind niedrig und die Produktion kann mit vergleichsweise einfachen Mitteln erfolgen. Schwieriger und kostenintensiver ist es, die Menschen zu erreichen, die weit entfernt von großen Städten und medizinischen Zentren leben. Personal, Transport und insbesondere steigende Treibstoffkosten spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade deshalb setzt die Ein-Dollar-Brille auf lokale Strukturen und die Ausbildung von Fachkräften vor Ort.

Ein Beispiel für wirksame Hilfe zur Selbsthilfe

Für die Lions Clubs Porta Westfalica und Minden war der Vortragsabend eine Gelegenheit, ein außergewöhnliches Entwicklungsprojekt aus erster Hand kennenzulernen. Die Geschichte der Ein-Dollar-Brille zeigt, wie aus einer einfachen Idee durch persönliches Engagement, ehrenamtliche Unterstützung und die Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort ein weltweites Projekt entstehen kann, das gesellschaftliche Teilhabe und Integration fördert.

Lions-Präsident Dr. Dr. Hannes Grimaldi (Porta Westfalica) und Vize-Präsident Martin Heuer (Minden) konnten im Anschluss an den beeindruckenden Vortrag eine gemeinsame Spende in Höhe von 6.000 € übergeben, für die sich Martin Aufmuth ganz herzlich im Namen seiner Organisation bedankte. Die anschließenden Gespräche der Clubmitglieder waren vom Wirken Martin Aufmuths geprägt und auch Martin Aufmuth selbst genoss sichtlich den Abend.

von links: Michael Paul (LC Porta), Dr. Ralf Menkhaus (LC Minden), Stefanie Fried (LC Porta), Martin Aufmuth (1-Dollar-Brille e.V.), Dr.Dr. Hnanes Grimaldi (LC Porta), Martin Heuer (LC Minden)
Martin Aufmuth während des Vortrags
itglieder der LC Porta Westfalica und Minden sowie deren Gäste