„Stehenbleiben und den Menschen die Hand geben“ – Stella Deetjen berichtet über ihre Hilfsprojekte in Indien und Nepal

Die Lions Clubs Porta Westfalica und Minden konnten sich zu ihren Clubabenden im November über einen besonderen Gast freuen. Nach mehrmaliger coronabedingter Terminverschiebung freuten sich die anwesenden Club-Mitglieder, das Organisationsteam mit LF Michael Paul und Stefanie Fried (LC Porta Westfalica) sowie LF Dr. Ralf Menkhaus (LC Minden) und weitere Gäste über den Besuch der Entwicklungshelferin Stella Deetjen, deren Lebenswerk seit fast 30 Jahren die Unterstützung von armen und ausgegrenzten Menschen in Indien und Nepal geworden ist.

Stella Deetjen berichtete – unterstützt durch im Hintergrund eingeblendete eindrückliche Fotos und kleine Videosequenzen – über die Anfänge ihrer Hilfstätigkeiten, den Aufbau des gemeinnützigen Vereins „Back to life“ und über ausgewählte Hilfsprojekte in Indien und Nepal. 

Eine Rucksackreise durch Asien 1994 – Stella Deetjen war gerade 24 - sollte ihr Leben verändern. Geprägt durch ihre humanistische Bildung wollte sie eigentlich nach der Reise in Rom studieren, doch die Begegnung mit Armut und einem Leprakranken, der ihr Hilfe anbot, als sie selbst von Krankheit gezeichnet in der heiligen Stadt Benares (Varanasi) am Ganges saß, veränderte alles. Mit gerade mal 100 Dollar Startkapital baute sie eine Straßenklinik für Leprakranke auf. „Diese von  Krankheit gezeichneten und ausgrenzten Menschen brauchten medizinische Unterstützung und wollten einfach nur ihr Leben zurück. Ich blieb und unterstützte diese stigmatisierten Menschen darin, ihre Würde wiederherzustellen“, beschrieb Stella Deetjen die Anfänge ihrer Arbeit. Über 200 „Unberührbare“ begleitete Stella Deetjen von der Lepra-Therapie bis zur Rehabilitation.

Tief beeindruckt zeigten sich die Mitglieder der Lions Clubs davon, welch enges Vertrauensverhältnis Stella Deetjen zu ihren Leprapatienten aufbaute und wie tief sie in das Leben der Kranken und ihrer Familien eintauchte. Mit der Gründung des Vereins „Back to life“ konnte die finanzielle Basis für die Hilfe geschaffen werden. Trotz der Wiederstände der indischen Gesellschaft blieb die Entwicklungshelferin jahrelang in Indien. Zu Ihren Projekten zählen auch drei Kinderheime, in denen über die Jahre mehr als 100 ehemalige Straßenkinder, insbesondere diejenigen mit Leprahintergrund, aufwuchsen.

Vor dem Hintergrund der wirtschaftlich starken Entwicklung Indiens wendete sich Stella Deetjen ab 2008 dem im Gegensatz dazu verarmten Nachbarland Nepal zu. In der Hochgebirgsregion Mugu lebten rd. 66.000 Menschen unter einfachsten, mittelalterlich anmutenden Bedingungen. „Es fehlte dort eigentlich an allem, v.a. an Hygiene und an Bildung“, fasste Stella Deetjen ihre ersten Eindrücke zusammen. Der „Geisterglaube“ war noch weit verbreitet und - für uns unvorstellbar - hatten die Frauen dort Angst davor, ein Kind zur Welt zu bringen. Stella Deetjens Unterstützung zielte aber nicht darauf ab, die Kultur zu brechen, sondern Hilfe zur Selbsthilfe zu bieten. So hat sie mit Unterstützung örtlicher Kräfte mittlerweile 15 Geburtshäuser errichtet, vier sind im Bau, 30 Hebammen wurden ausgebildet und insgesamt sind bisher rd. 2.700 Kinder in diesen Häusern zur Welt gekommen.

Der Fokus der Hilfsprojekte erweiterte sich im Laufe der Jahre auf die Verbesserung der Bildungschancen durch Errichtung von Grund- und weiterführenden Schulen, Energie- und Wasserbau, Landwirtschaftsprogramme sowie Umwelt- und Ressourcenschutz. Insgesamt 89 Nepali vor Ort unterstützen die Arbeit und waren auch im Rahmen der Erdbebenhilfe 2015 und der Wiederaufbauprojekte selbstlos im Einsatz. „Es war auch für mich eine unglaubliche Leistung, dass wir innerhalb kürzester Zeit nach dem Beben zehn Schulen wieder aufbauen konnten“, zeigte sich Stella Deetjen vom Engagement ihres Teams beeindruckt.

Stella Deetjen, die selbst in Katmandu lebt, ist es über die Jahre gelungen, mit dem Verein „Back to life“ Schritt für Schritt eine solide finanzielle Basis für die Arbeit des Vereins in Indien und Nepal aufzubauen.

Die beiden Lions-Präsidenten Dr. Peter Witte (LC Porta Westfalica) und Marc Stanesby (LC Minden) konnten im Anschluss an den beeindruckenden Vortrag eine gemeinsame Spende der Lions Clubs für den Verein "Back to life" in Höhe von 5.000 Euro übergeben. Die anschließenden Gespräche unter den Club-Mitgliedern waren noch lange von dem Wirken Stella Deetjens beherrscht und auch Stella Deetjen selbst genoss sichtlich den Abend. So blieb sie noch bis nach Mitternacht und sprach mit den Gästen über ihre Projekte und ihr Leben.

„Stehen bleiben und den Menschen die Hand geben“ war eines der Zitate von Stella Deetjen und verdeutlichte eindrücklich ihre Motivation und Berufung.
  

Autor: Norbert Kresse, Pressebeauftragter LC Porta Westfalica
Olrik Laufer, Pressebeauftragter LC Minden

Dr. Peter Witte (Präsident LC Porta Westfalica), Marc Stanesby (Präsident LC Minden) und Stella Deetjen
Stella Deetjen während ihres Vortrages
Mitglieder der beiden Lions Clubs und weitere Gäste verfolgen den Vortrag von Stella Deetjen
Stella Deetjen im Gespräch mit Lions Mitgliedern